Osteodystrophia fibrosa

Osteodystrophia fibrosa

Osteodystrophia fibrosa – Stoffwechselerkrankung der Knochen

Nach Erschöpfung des normalen Kalziumdepots im Skelett greifen die Abbauvorgänge bei weiter anhaltendem Bedarf auch auf das restliche Knochengewebe über: Der Knochen wird „entkalkt“.
Dieser‘ Schwund der Knochensubstanz wird durch eine Überfunktion der Nebenschilddrüse mit vermehrter Ausschüttung von Parathormon hervorgerufen (Hyperparathyreoidismus).

Je nach den Ursachen unterscheidet man:

Primärer Hyperparathyreoidismus

Ohne Vorliegen eines Kalziummangels ergibt sich durch Geschwulsterkrankungen der Nebenschilddrüse eine erhöhte Ausschüttung von Parathormon mit allen ihren Folgen.
Sehr selten.

Sekundärer Hyperparathyreoidismus

Die auslösende Mangelsituation kann innerlich und von außen bedingt sein.
Die innere Ursache bei erwachsenen Hunden liegt in einer chronischen Nierenerkrankung.
Durch die eingeschränkte Funktion der Nieren wird Kalzium vermehrt zur Ausscheidung bestimmter Verbindungen gebraucht.
Der daraus folgende Kalziummangel zieht wiederum eine erhöhte Produktion von Parathormon nach sich.
Die äußeren Ursachen sind Kalziummangel und/oder Phosphorüberschuß im Futter.
Der absolute Kalziummangel in der Nahrung hat in der Praxis keine Bedeutung.
Dagegen bedeutet der Phosphorüberschuß mit oder ohne gleichzeitig bestehendem Kalziummangel bei jungen Hunden den häufigsten Grund für eine Osteodystrophie.
Dieser Hyperparathyreoidismus beruht zumeist auf einer einseitigen Fütterung mit Muskelfleisch oder Innereien, die reich an Phosphat und arm an Kalzium sind.
So entsteht ein Absinken des Kalziumsblutspiegels.
Es erkranken Junghunde bis zu einem Alter von gut vier Monaten, wobei auffällt, daß vorzugsweise Welpen großwüchsiger Hunderassen betroffen sind.

Symptome beim jungen Hund:

Veränderungen an den Knochen und Gelenken der Extremitäten.
Stärker betroffen sind gewöhnlich die Hinterbeine.
Die verminderte Festigkeit des Skeletts führt zu Knochenbrüchen selbst bei geringer Belastung.
Häufig zeigen sich auch Wirbelsäulenverkrümmungen.

Eine Verwechslung mit der Rachitis ist leicht möglich, eine Differentialdiagnose nur mit Laborbefunden zu stellen

Symptome beim erwachsenen Hund:

Besonders deutlich verändert werden hier die Kieferknochen.
Ausgehend vom Zahnfach verliert der Kiefer seine Festigkeit (sog. Gummi-Kiefer).
An den anderen Skelettabschnitten ist der Abbau des Knochengewebes nicht so deutlich ausgeprägt.

Tertiärer Hyperparathyreoidismus

Hält eine Kalziumstoffwechselstörung mit Kalziummangel und Phosphorüberschuß über einige Zeit an, kann sich die anfänglich dadurch hervorgerufene Überproduktion an Parathormon zu einer selbständigen Erkrankung entwicklen.
Die vermehrte Parathormonausschüttung hält auch dann an, wenn das Ca/P-Verhältnis in der Nahrung normalisiert worden ist.
Wie beim primären Hyperparathyreoidismus ergibt sich ein verstärkt fortschreitender Knochengewebsabbau, der auf keine Therapie mehr anspricht.
Erwähnt sei an dieser Stelle noch eine Kalziummangelkrankheit der säugenden Hündin, die Eklampsie.
Sie wird verursacht durch den erhöhten Kalziumabfluß mit der Milch und zeigt sich durch Muskelkrämpfe an.

Eine „Rachitis“ ist heutzutage fast immer eine Osteodystrophie, die meist auf einen Phosphorüberschuß in der Nahrung zurückzuführen ist.

Die vermehrte Zufütterung von Vitamin D, wie sie bei der Rachitis ja richtig ist, bringt bei der Osteodystrophie stets eine Verschlimmerung der Erkrankung mit sich.
Hier ist die Zugabe von Vitamin D absolut verboten!

Die Osteodystrophie kann beim Hund in recht kurzer Zeit in den therapieresistenten tertiären Hyperparathyreoidismus übergehen.
In der Aufzucht sollte deshalb bei dem Zusatzfutter zum Fleisch auf den Gehalt von Vitamin D und auf ein weites Ca/P- Verhältnis (mind. 2:1) geachtet werden. Dies gilt auch für erwachsene Hunde.

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